Sonderausstellung Kunstmuseum

Ziemlich Beste FreundeHans Thuar und August Macke


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Eine berührende Kinder- und schließlich Künstlerfreundschaft verbindet August Macke mit Hans Thuar. Die beiden Nachbarskinder sind neun und zehn Jahre alt, als sie sich 1897 in Köln kennenlernen und bald—Schiffe bauend, Pfeile schnitzend oder die japanischen Holzschnitte von Thuars Vaters bestaunend—jeden Tag miteinander verbringen. 

August Macke, Porträt Hans Thuar, 1903, Tempera, Gouache, Bleistift auf Papier, auf Karton aufgezogen, © Kunstmuseum Bonn
August Macke, Porträt Hans Thuar, 1903, Tempera, Gouache, Bleistift auf Papier, auf Karton aufgezogen. © Kunstmuseum Bonn. Foto: Kunstmuseum Bonn/Reni Hansen

Zwei Jahre später verunglückt Hans und verliert beide Beine—es ist August Macke, der ihn mit seiner humorvollen Art und seinen gezeichneten Geschichten aufheitert und wieder Lebensmut schenkt. Der Freundschaft tut auch der Wegzug von Mackes Familie keinen Abbruch. Das gemeinsame Zeichnen und Malen münden bei beiden in dem Wunsch, Künstler zu werden. Doch das akademische Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie befriedigt sie nicht. 

August Macke, Walter, drei Tage alt, 1910, Öl, Tusche/Feder auf Holz
August Macke, Walter, drei Tage alt, 1910, Öl, Tusche/Feder auf Holz. © Privatbesitz. Foto: Museen Stade/Margot Schmidt

Die Freunde neigen einer farbkräftigen, atmosphärischen Stimmungsmalerei zu, die Macke auf seinen Reisen studiert und Thuar, dessen Bewegungsradius eingeschränkter ist, sich im Rheinland, durch Zeitschriften und im Austausch mit dem Freund aneignet. „Eine starke, lebendige Empfindung zu gestalten“ (Macke) ist das Motto, das sie bei ihren Experimenten antreibt. Beide gehören vor dem Ersten Weltkrieg zu den heftig angefeindeten expressionistischen Modernen. Während Macke nach einer Ausdrucksform für seine Vorstellung eines irdischen Paradieses sucht, spiegelt sich in Thuars Werken eine existentielle Beziehung zur Natur.

Hans Thuar, Rheinische Landschaft (Bahnstrecke), 1912, Öl auf Leinwand.
Hans Thuar, Rheinische Landschaft (Bahnstrecke), 1912, Öl auf Leinwand. © Kunstmuseum Bonn. Foto: Reni Hansen
August Macke, Pierrot 1912, Buffetstütze, Holz.
August Macke, Pierrot 1912, Buffetstütze, Holz. © Privatbesitz. Foto: Museen Stade/Margot Schmidt

Mackes früher Tod als Soldat im Ersten Weltkrieg trifft den Freund hart und führt zum Abbruch seiner künstlerischen Arbeit. Als Thuar Anfang der 1920er Jahre wieder mit dem Malen beginnt, schafft er großartige, leuchtend farbige und ganz eigenständige Kompositionen—„expressiv bis zum Bersten“, wie August Mackes Sohn Wolfgang urteilt. Gleichzeitig bringen Inflation und Wirtschaftskrise seine fünfköpfige Familie immer wieder an den Rand des Existenzminimums. Darüber hinaus machen ihn die körperlichen Einschränkungen oftmals zu schaffen.

Doch der Kontakt mit Mackes Frau, seinen Söhnen und dem dazugehörigen Freundeskreis setzt sich zeitlebens fort. Als August Mackes Sohn Wolfgang schließlich an Weihnachten 1937 Thuars Tochter Gisela heiratet, wachsen die Künstlerfamilien endgültig zusammen. 

Hans Thuar, Begegnung im Park, 1921, Öl auf Holz, 38,5 x 50,1 cm, Privatbesitz
Hans Thuar, W. Sch. (Walter Schede), 1923, Öl auf Leinwand.
Hans Thuar, Porträt W. Sch. (Walter Schede), 1923, Öl auf Leinwand. © Privatbesitz. Foto: Axel Hartmann Fotografie, Köln

Die Ausstellung, kuratiert von der Macke- und Thuar-Kennerin Ina Ewers-Schultz, geht erstmals der einzigartigen Künstlerfreundschaft nach und stellt mit Hans Thuar einen Künstler in den Mittelpunkt, dessen Werk zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Erinnerungen und Briefzitate beider Künstler haben zudem die Illustratorin Yuka Masuko zu einer grafischen Kurzgeschichte im Stil einer graphic novel inspiriert, die dieser besonderen Freundschaft nachspürt. 

Die Ausstellung ist in Kooperation mit den Museen Stade entstanden. Wir danken den Museen, der Familie Macke-Thuar und allen privaten Leihgeber*innen für die umfassende Unterstützung.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der auch die Graphic Novel von Yuka Masuko enthält. Sie erhalten ihn im Museumsshop oder per Mail an esm@neu-ulm.de.


Titelfoto: Hans Thuar, Blühende Obstbäume (Endenich), 1911, Öl auf Leinwand. © Privatbesitz. Foto: Museen Stade/Margot Schmidt; August Macke, Walter, drei Tage alt, 1910, Öl, Tusche/Feder auf Holz. © Privatbesitz. Foto: Museen Stade/Margot Schmidt

Publikation :

Ziemlich beste freunde: Hans Thuar & August Macke

Ziemlich beste Freunde Katalog

Hrsg.: Ina Ewers-Schultz, Sebastian Möllers und Helga Gutbrod für die Museen Stade und das Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm sowie Andreas Schäfer für die Hansestadt Stade.
Petersberg, 2020. 160 Seiten
€ 24,90


Folder zur Ausstellung

Presse


Vermittlungsangebot

Museumswerkstatt für Schulen und Kindergärten
mit Janina Schmid oder Philipp Schneider

Hans Thuar und August Macke waren allerbeste Freunde. Sie lachten gemeinsam, sprachen über ihre Sorgen und Hoffnungen, spielten als Jungen wilde Spiele und standen sich in schweren Zeiten bei. Vor allem aber malten sie gemeinsam. Beide verband die Idee Bilder zu erschaffen, die ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken können.

Zusammen entdecken wir in der Ausstellung die leuchtend starken Bilder beider Künstler und gehen den Fragen nach: Habt auch ihr einen besten Freund oder eine beste Freundin? Was verbindet euch? Oder gibt es etwas Anderes, das euch besonders wichtig ist und euch Halt gibt?

Den Comic der Künstlerin Yuka Masuko über die Freundschaft von Hans Thuar und August Macke nehmen wir als Vorbild, um selbst mit luftig bunten Aquarellfarben einen Freundschafts-Comic zu gestalten.

Termine:

12. Juli, 14. Juli, 15. Juli, 19. Juli, 20. Juli, 21. Juli, 22. Juli, 26. Juli,  28. Juli, 29. Juli
jeweils 8.30 Uhr und 10.30 Uhr

Anmeldung an esm-buchungen@post.neu-ulm.de
mit folgenden Angaben: Terminwunsch, Schule/Einrichtung, Ansprechpartner*in, Klassenstufe, Klassengröße, Telefonnummer und Mail-Adresse.


Führungen, Workshops und Veranstaltungen
zur Ausstellung Ziemlich beste Freunde

  • Kurs . Ziemlich Beste Freunde:

    Museumswerkstatt für Schulen und Kindergärten

    zur Ausstellung „Ziemlich beste Freunde“ mit Janina Schmid oder Philipp Schneider Hans

  • Kurs . Ziemlich Beste Freunde:

    Museumswerkstatt für Schulen und Kindergärten

    zur Ausstellung „Ziemlich beste Freunde“ mit Janina Schmid oder Philipp Schneider Hans

  • Führung . Ziemlich Beste Freunde:

    Rundgang für Menschen mit und ohne Hörbeeinträchtigung

    Der Ausstellungsrundgang wird von einer Schriftdolmetscherin begleitet. Hörbeeinträchtigte Menschen können das Gesprochene

  • Führung . Ziemlich Beste Freunde:

    Kunsthistorische Führung

    Anmeldung mit Kontaktdaten erforderlich unter esm-buchungen@post.neu-ulm.de oder telefonisch von Montag bis Freitag

  • Führung . Ziemlich Beste Freunde:

    Kunsthistorische Führung

    Anmeldung mit Kontaktdaten erforderlich unter esm-buchungen@post.neu-ulm.de oder telefonisch von Montag bis Freitag

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    Kunsthistorische Führung

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  • Sonderveranstaltung . Ziemlich Beste Freunde:

    Kunst am Mittag

    „Leuchtende Farben im glühenden Kampf um die Moderne“ Halbstündige Impulsführung durch die

  • Führung . Ziemlich Beste Freunde:

    Kunsthistorische Führung

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  • Sonderveranstaltung . Ziemlich Beste Freunde:

    Literarische Reise zur Ausstellung „Ziemlich beste Freunde“

    August Macke und Hans Thuar verband eine tiefe Freundschaft, die sie gemeinsam

  • Führung . Ziemlich Beste Freunde:

    Kunsthistorische Führung

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    Anmeldung mit Kontaktdaten erforderlich unter esm-buchungen@post.neu-ulm.de oder telefonisch von Montag bis Freitag

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    Literarische Reise zur Ausstellung „Ziemlich beste Freunde“

    August Macke und Hans Thuar verband eine tiefe Freundschaft, die sie gemeinsam

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    Rundgang für Menschen mit und ohne Hörbeeinträchtigung

    Der Ausstellungsrundgang wird von einer Schriftdolmetscherin begleitet. Hörbeeinträchtigte Menschen können das Gesprochene

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    August Macke und Hans Thuar verband eine tiefe Freundschaft, die sie gemeinsam