Hans Thuar, Begegnung im Park, 1921, Privatbesitz, Foto Auktionshaus Lempertz, Sascha Fuis Photographie
Sonderausstellung Kunstmuseum

Ziemlich Beste FreundeHans Thuar und August Macke

Eine Kooperation mit den Museen Stade und der Kuratorin Ina Ewers-Schultz.

Die Ausstellung rückt Leben und Werk zweier expressionistischer Künstler in den Fokus, die durch eine besondere Freundschaft miteinander verbunden sind.
Hans Thuar ist neun, August Macke zehn Jahre alt, als sich die Nachbarsjungen in Köln anfreunden. Zwischen den beiden entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung, die sich durch Thuars Unfall und seine folgende Invalidität – er verliert bei einem Straßenbahnunglück beide Beine – ein Jahr später noch verstärkt. Durch seinen Humor gibt Macke dem Freund den Lebensmut zurück.

Die beiden begeistern sich nicht nur für die wilden Spiele im Neubaugebiet am Kölner Stadtrand, sondern sind gleichermaßen fasziniert von den japanischen Holzschnitten, die Vater Thuar in seiner Grafiksammlung verwahrt. „Wir saßen – wir wilden, wilden Jungens – vor diesen unglaublich subtilen Reisblättern […] und waren begeistert, erschüttert und so andächtig, wie uns noch keine Kirche je gesehen hatte“, erinnert sich Thuar.

Die räumliche Trennung, die sich durch Umzug der Familie Macke nach Bonn und später durch Mackes zahlreiche Reisen ergibt, tut der Freundschaft keinen Abbruch – auch nicht die so unterschiedlich ausgeprägten Persönlichkeiten. Beide werden Künstler und gehören mit ihren Werken vor dem Ersten Weltkrieg zu den heftig angefeindeten expressionistischen Modernen. Während Macke auf experimentierfreudige Weise einen Ausdruck für seine Vorstellungen vom irdischen Paradies sucht, spiegelt sich bei Thuar eine existentielle Beziehung zur Natur.

Nach Mackes frühem Tod als Soldat im Ersten Weltkrieg setzt sich der Kontakt mit Mackes Frau, seinen Söhnen und seinem Freundeskreis fort. In den 1920er Jahren malt Thuar hochexpressive, leuchtend farbige, ganz eigenständige Kompositionen, in denen er „seine Seele ausgießen konnte“. Doch Inflation und Wirtschaftskrise bringen den Künstler und seine fünfköpfige Familie immer wieder an den Rand des Existenzminimums. Zum Lebensunterhalt tragen Kunsthandwerkliche Arbeiten, selbst entwickelte Salben und Cremes, der Betrieb einer Tankstelle und eines Cafés und schließlich die Eröffnung eines Holzladens bei. Seine Behinderung macht Thuar oftmals körperlich wie seelisch zu schaffen. Auf der ersten Reise nach 25 Jahren entstehen in Ried in Oberbayern im Haus von Maria Marc, der Witwe von Franz Marc, Werke, in denen die Alpenlandschaft mit abstrahierenden Pinselzügen expressiv aufgeladen wird. Mit der Heirat von Mackes Sohn Wolfgang und Thuars Tochter Gisela wachsen die beiden Künstlerfamilien an Weihnachten 1937 endgültig zusammen.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der auch eine Graphic Novel der jungen japanischen Künstlerin Yuka Masuko enthält. Sie illustriert die besondere Freundschaft der beiden Künstler auf Basis von Erinnerungen und Briefzitaten mit modernsten Mitteln.

Die Ausstellung ist voraussichtlich vom 6. Februar bis 6. Juni 2021 zu sehen.

Foto: Hans Thuar, Begegnung im Park, 1921, Privatbesitz, Foto: Auktionshaus Lempertz, Sascha Fuis Photographie