Wir waren im Sturm

Am 3. März 1910 gründete Herwarth Walden die Zeitschrift „Der Sturm- Wochenschrift für Kultur und die Künste“. Der Titel stammt von Else Lasker-Schüler, Waldens ersten Ehefrau. Er bringt das Gefühl zum Ausdruck, an einer Zeitenwende zu stehen. Texte der internationalen Avantgarde sollten hier publiziert werden. 1912 eröffnet Walden mit seiner zweiten Ehefrau Nell Walden-Roslund in einer Abbruchvilla in Berlin die erste Sturm-Ausstellung mit Werken von Oskar Kokoschka. Aber auch Künstler*innen des „Blauen Reiter“ wie Franz Marc, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, August Macke und Heinrich Campendonk sind vertreten. 1913 folgt die bis heute legendäre Ausstellung „Erster Deutscher Herbstsalon“ mit fast 400 Werken von 90 Künstler*innen, die progressiv aufzeigt, wohin die Kunst sich damals entwickelt. International, interdisziplinär und pluralistisch war die Bewegung des „Sturm“, zu der später auch noch ein Sturm-Verlag, eine Sturm-Bühne und eine Sturm-Kunstschule gehörten. Mit großer Energie setzten sich Herwarth und Nell Walden für die Verbreitung der „neuen Kunst“ ein, mit Ausstellungen auch über Deutschland hinaus, so dass Herwarth Walden zugleich den Ruf eines „Impresario“ und Kunstunternehmers erhielt.

© Kunsthalle Bielefeld
Sprecher: Doğa Gürer