Jacoba van Heemskerck – Vestibülfenster der Villa Wulffraat

1919 erhält Jan Buijs, Architekt und Freund Jacoba van Heemskercks, den Auftrag, für die Familie Wulffraat in Wassenaar eine Villa zu bauen. Durch seine Vermittlung übernimmt Jacoba van Heemskerck die Gestaltung der Hallen- und Esszimmerfenster. Sicherlich hatte sie dabei Paul Scheerbarts Buch „Glasarchitektur“ von 1914 im Kopf, das sie schon seit seinem Erscheinen interessierte. Scheerbart entwirft darin eine Welt aus farbigem Glas. Das volle Licht seiner eigenen, von Nervosität geprägten Zeit, sollte durch farbiges, gedämpftes und beruhigendes Licht ersetzt werden. Auch Jacoba van Heemskercks Ideen gehen über ihre Glasfenster hinaus. Sie möchte ein Gesamtkunstwerk schaffen. Sie schreibt an Buijs:

„Für mich ist es eine prächtige Gelegenheit, mich richtig einzuarbeiten: ich will mich viel mehr mit der Innenarchitektur … beschäftigen … Nein, indem ich wirklich mit dem Architekten zusammenarbeite, wird das Ganze auch schön. Ich habe mir schon vorgestellt, welche enormen Farbwirkung von dem Fenster ausgehen wird … Das muss durch kräftige Farben in der Halle unterstützt werden. Auch die Treppe sollte in einer kräftigen Farbe gestrichen werden …: in Ultramarin oder Grün und mit einem prächtigen bunten Läufer darauf. Und was ist unten in der Halle auf dem Boden? Könnte es dort nicht einen großen oder mehrere kleine farbige Teppiche geben? Alles, um in prächtigen Kombinationen ein stimmiges Ganzes zu schaffen?!“

Zeit ihres Lebens versuchte Jacoba van Heemskerck all das umzusetzen, was ihr zur Verwirklichung ihrer eigenen Utopie mit ihrer Kunst möglich schien.

© Kunsthalle Bielefeld
Sprecher: Doğa Gürer