Jacoba van Heemskerck und das Freimaurertum

Vor kurzem wurde in der Forschung durch die Kunsthistorikerin Jacqueline van Paaschen festgestellt, dass Jacoba van Heemskerck ab 1910 nicht nur Mitglied in der Theosophischen Gesellschaft war, sondern auch in diversen Freimaurerlogen, die damals teilweise auch Frauen aufnahmen. 1910 trat sie in die Amsterdamer Loge „Cazotte“ ein, 1911 in die Loge „Rakoczy“ in Den Haag und schließlich in die Loge Nr. 43, „Christian Rosenkreuz“. Das Vokabular des „Bauens“ war in diesen Logen sehr präsent: Im Tempel, der als symbolisches Bild des geschaffenen Alls gilt, arbeitete man zu Ehren Gottes, des obersten „Baumeisters“. Die in den Logen gehaltenen Vorträge hießen „Baustücke“ und die Logenmitglieder „bauten“ durch Symbole und Rituale fortwährend an sich selbst, um sich dann wiederum in den Dienst anderer zu stellen. Wichtiges Ziel war, sich selbst zu erkennen und seinen Weg in dem Labyrinth des Daseins zu finden. Die von Jacoba van Heemskerck entwickelte abstrahierte Bildsprache in dieser Zeit könnte also von Freimaurer-Symbolen beeinflusst worden sein. In „Landschaft Nr. 6“ z. B. ist das Motiv der Treppe, das den Weg von einer Ebene in die nächst höhere anzeigt, mehrfach zu sehen.

© Kunsthalle Bielefeld
Sprecher: Doğa Gürer