Jacoba van Heemskerck – Komposition, 1914

Nach ihrem Beitritt zur Galerie „Sturm“ im Herbst 1913 bewundert Jacoba van Heemskerck vor allem die expressiven Farben und die Linienführung Wassily Kandinskys, der ebenfalls im „Sturm“ vertreten ist. Sie liest seine 1912 veröffentlichte Schrift „Über das Geistige in der Kunst“, die eine „Epoche des großen Geistigen“ ankündigt. Laut Kandinsky solle sich jedes Kunstwerk vom Naturvorbild befreien und wie die Musik nach innerer Notwendigkeit zu seinen Ausdrucksmitteln finden. Jacoba van Heemskerck fühlt sich bestärkt: Jedes Kunstwerk ist eine rein geistige Schöpfung, dessen Farben und Formen ein komponiertes Ganzes bilden. Anders als bei Kandinsky werden ihre Werke jedoch nie vollständig abstrakt. Immer bezieht sie sich auf die Welt der gegenständlichen Dinge, wenngleich manchmal nur andeutungsweise. In „Komposition“ von 1914, das deutliche Anklänge an die lyrische Abstraktion Kandinskys zeigt, ist immer noch das Motiv des Segels zu erkennen.

Wassily Kandinsky. Bild mit weißer Form, 1913. Sammlung Kunstmuseum Den Haag, Dauerleihgabe Guggenheim Museum, New York
Wassily Kandinsky. Bild mit weißer Form, 1913. Sammlung Kunstmuseum Den Haag, Dauerleihgabe Guggenheim Museum, New York

© Kunsthalle Bielefeld
Sprecher: Doğa Gürer