Jacoba van Heemskerck – Bild no. 87

Auf diesem Bild greift Jacoba van Heemskerck nochmals das Baummotiv auf. Wurzeln, Stamm, Zweige und Blätter formen hier eine Art Unendlichkeitsschleife, die somit im Sinne der anthroposophischen Lehre auch den Kreislauf des Lebens abbildet. Rötlich-violett hebt sich der Baum vor einem blauen Halbrund ab, welches das Meer sein könnte oder aber auch ein Blick auf die Welt. Der Himmel leuchtet in Abstufungen von Gelb über Orange bis Rot. Hier und da schmiegen sich weiße Partien an den Baum an. Flankiert und durchsetzt ist das Bild von schwarzen und grünen fließenden Formen, ebenso wie von roten auf- oder absteigenden gewellten und gezackten Linien. Alles ist im Fluss. Vielleicht so, als ob Lebensenergie aufsteigt und zur Erde zurückfließt. Marie Tak van Poortvliet, die Freundin Jacoba van Heemskercks, schreibt:

„Meint menschliche Entwicklung nicht die ewige Suche des Menschen, die ihn umgebenden Mysterien zu ergründen? Er sucht sie in der Wissenschaft, er sucht sie in der Kunst. In der Wissenschaft ist sein Ziel, das Material, aus dem die Dinge gemacht sind, zu untersuchen. In der Kunst wird er selbst Schöpfer und führt die Arbeit der Natur fort … Natur ist Leben und Leben ist unendliche Bewegung, ewiger Wandel. Da Kunst die Fortsetzung der Natur ist, muss Kunst notwendigerweise denselben Charakter haben.“

© Kunsthalle Bielefeld
Sprecher: Doğa Gürer