Jacoba van Heemskerck – Bild, 1920

Vertiefung: Nicht zu dogmatisch!

In diesem Bild ist nichts Gegenständliches mehr auszumachen. In der Mitte dominiert vor weißem Grund ein violettes Dreieck. Es ist die letzte feste Umrissform in dieser Komposition. Marie Tak van Poortvliet, die Lebensgefährtin Jacoba van Heemskercks, schreibt:

„Das mit dem spitzen Winkel emporweisende Dreieck ist für uns das Bild des Suchens nach dem Geistigen, das über uns liegt.“

Alle übrigen Formen, vielleicht einst mit schwarzen Konturen, beginnen sich aufzulösen und in Wolken von Blau, Gelb, Rot und Schwarz ineinanderzufließen. Haben Sie schon einmal die geometrischen Abstraktionen mit blauen, gelben und roten Quadraten zwischen schwarzen Horizontalen und Vertikalen bei Piet Mondrian gesehen? Dieses Bild hier ist das genaue Gegenteil davon! Dass Jacoba van Heemskerck den Weg der „Erstarrung“ Mondrians ablehnt, geht deutlich aus den Worten Marie Tak van Poortvliet hervor:

„Man glaubt, das Ziel erreicht zu haben und spürt nicht, dass es in einer Welt, die sich in einer unaufhaltsamen Evolution befindet, kein festes Ziel gibt. Das sehen wir in den Werken von Künstlern wie Piet Mondrian, Schelfhout und van Doesburg: alle sind in einem System stecken geblieben … Sie stellen der Natur das Universelle gegenüber… In dieser Wirklichkeit gibt es allerdings verschiedene Stufen, so dass man sein Bewusstsein entwickeln muss, um die höheren Wirklichkeiten begreifen zu können.“

© Kunsthalle Bielefeld
Sprecher: Doğa Gürer