Bild, 1920Nicht zu dogmatisch!

Nachdem sich Jacoba van Heemskerck intensiv mit Kandinskys Ideen über das Komponieren von Bildern nach innerer Notwendigkeit beschäftigt hat, teilt sie Herwarth Walden mit, dass sie dessen Theorien im Großen und Ganzen zustimme. Aber sie hält ihn für zu dogmatisch. Sie lehnt das Schreiben über Kunst ab. In ihren Augen spreche es nicht für Künstler*innen, wenn sie mit Worten erklären müssen, was sie mit der Kunst allein nicht sagen können.

Für ihre Kurse, die sie in der Sturm-Kunstschule gibt – seit 1916 bei Herwarth Walden in Berlin und spätestens 1918 in einer Dépendance in ihrem Den Haager Atelier – arbeitet sie eine besondere Unterrichtsmethode aus: Farb- und Formenwahl sollen sich rein aus dem Persönlichen ihrer Schüler*innen entwickeln.

Deutlich distanziert sie sich von Georg Muche, der Malerei an der Sturm-Kunstschule in Berlin lehrt. Sie schreibt an Walden:

„Das ist zu viel Nachahmung, und die Schüler müssen sich viel zu viel Bilder ansehen. Wenn unser Streben wirklich in der Zukunft große Fortschritte machen soll, muss die Kunstschule Individualitäten hervorbringen, die durch uns wirklich vom Innern heraus weiterkommen und anfangen zu schaffen, ohne immer Bilder von anderen zu sehen.“

Damit entfernt sie sich auch weit von den Lehrkonzepten, die sie selbst als junge Frau an der Kunstakademie in Den Haag kennen gelernt hatte.

© Kunsthalle Bielefeld
Sprecher: Doğa Gürer